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Rubrik Motorrad

Mythos Münch

PTM Ganz in Alu und Chrom wird dieser Eigenbau nun nach Nürnberg überführt. Jahrelange Arbeit ist damit getan. Azubi Tobias Ruth (li.) gibt die letzten Polierungen, Kfz- Elektriker-Meister Rolf Damen (Mitte) und sein Kollege Joachim Lohmeier (re.) haben noch etliche weitere Modelle von Münch in der Produktionsstätte in Lüneburg.
Weltweit schlagen die Herzen der Motorrad-Fans höher, wenn sie den Namen "Münch" hören. Für das Überleben der Traditionsmarke sorgt Rolf Damen - in seiner Produktionsstätte in Lüneburg und zusammen mit seinem Kollegen Joachim Lohmeier und Azubi Tobias Ruth. Friedel Münch und seine Mammut: Sie haben nicht das Image und die Lobby von Harley-Davidson. Sie bekommen nicht einmal einen Bruchteil der Treffer, die Google für Moto Guzzi findet, 47.000 zu 3,89 Millionen. Doch die Münch-Mammut ist eine Legende und Friedel Münch ein Genie, das andere Motorradbauer oft genug auf die Plätze verwies.
Die Preise für gebrauchte Münchs beginnen bei 30.000 Euro, Sondermodelle reichen bis an 100.000 Euro heran. Aber den Liebhabern dieser sperrigen Zweirad- Sonderlinge geht es nicht ums Geld, sondern um etwas, das folgendes Beispiel am ehesten verdeutlicht: Ein Motorrad, von dem sein Bauherr, der Lüneburger Rolf Damen, sagt: "Wenn man damit wirklich fahren wollte, putzt man sich tot." Das handgearbeitete Stück hat er nämlich fast komplett aus Aluminium und Chrom gefertigt, sogar Lenkergriffe und Fußrasten sind eigens mit Münch- Schriftzug gegossen. Ein Regenguss, und dieser Blickfang wird nie wieder blitzen wie zuvor.
Den Auftraggeber, ein Sammler aus Nürnberg, kann das nicht schrecken. So wenig wie die gut vier Jahre Wartezeit von der Bestellung bis zur Auslieferung oder der Preis, für den andere lieber ein Reihenhäuschen erwerben.
Foto: Münch Motorrad Technik GmbH
Rolf Damen kann die Begeisterung verstehen - selbstverständlich. Schon als kleiner Junge infizierte sich der heute 52-Jährige mit dem Münch-Virus, beim Quartett-Spielen, wo das Superbike mit seinen Hammerdaten bei PS, Geschwindigkeit oder auch Gewicht alle schlug. Über Damens Bett hing ein Münch-Poster, und nicht lange danach hatte sich der Kfz-Elektriker-Lehrling das Geld für seinen Traum, eine eigene Münch, zusammengespart. Dass er heute, gemeinsam mit seinem Angestellten Joachim Lohmeier und Azubi Tobias Ruth, in Lüneburg die weltweit einzige Münch- Vertrags- und Neubauwerkstatt betreibt, war damals selbst zum Träumen zu kühn. Denn: "Wer hat schon die Chance, mal ein ganzes Motorradwerk zu kaufen?" Friedel Münch nämlich hatte technisch eine glücklichere Hand als kaufmännisch und musste im Laufe der Jahrzehnte mehrfach Konkurs anmelden. 1984 verkaufte sein ehemaliger Partner Henke alle Rechte, die Fertigungseinrichtungen und den Warenbestand an den inzwischen verstorbenen Jens Hallhuber aus Boltersen, der Lüneburger Rolf Damen stieg kurz darauf mit ein. Nach Hallhubers Tod wollte der Kfz-Elektriker- Meister aufgeben: "Schließlich hatte ich von Maschinenbau überhaupt keine Ahnung." Die ist aber nötig, um Ersatzteile anzufertigen, die es nirgends mehr zu kaufen gibt.
Doch Münch-Fans beschworen ihn weiterzumachen, und Damen eignete sich das entsprechende Know-how etwas für den Rahmenbau und die Weiterverarbeitung von Sandgussmodellen an. "Nur 10 bis 15 Prozent der Teile für eine neue Münch sind zugekauft, Federn, Kolben, Instrumente, Reifen." Für die anderen Teile arbeite er mit Gießereien, Polsterern und Lackierern zusammen, aber am liebsten machen Damen und Lohmeier alles selbst. "Wir haben schon eine ziemliche Fertigungstiefe."

Das Genie im Kontrukteur

Friedel Münch (*1927), ein begnadeter Techniker und Konstrukteur, stellte die Motorrad-Fachwelt mit seinen Tüfteleien mehr als einmal auf den kopf. Der Clou gelang dem Kfz-Meister 1966 mit der "Münch 4", inoffiziell nur "Mammut" genannt: ein Motorrad mit dem 4-Zylinder-Automotor eines NSU, das mit 55 PS, 180 km/h Spitze und 260 kg Gewicht alles Dagewesene übertraf. In den Folgejahren entwickelte er die Münch 4 immer weiter und setzte Maßstäbe zum Beispiel mit Gussfelgen statt Speichenhinterrad, E-Starter, Kettenkasten und der ersten Einspritzanlage für ein Straßenmotorrad. Angespornt von der wachen Konkurrenz erklomm Münch Kubikwerte bis 2.000 und PS-Stärken weit über 100, tüftelte mit Einzylindern, Turbos, Rennbremsen und vielem mehr - alles immer in Handarbeit und geringen Stückzahlen. Weniger als 500 Mammut wurden je gebaut. Gefahren werden sie heute hauptsächlich in Deutschland - die meisten stehen in privaten Sammlungen.
Foto: Münch Motorrad Technik GmbH

Mythos, Handarbeit - gut und schön: Was aber macht in der Praxis den Reiz dieser kantigen Kraftmeier aus? Rolf Damen sucht nach Gründen, die auch Laien verständlich sein mögen, zieht Rolex-Uhr und Kunstwerke zum Vergleich heran, sagt, "das erste Superbike der Geschichte hat eben ganz andere Emotionen geweckt" und bricht auch eine Lanze für die Zuverlässigkeit der Maschinen: "Mit meiner Münch bin ich das ganze Jahr hindurch 20.000 bis 30.000 Kilometer gefahren und hatte nie Probleme." Letztlich müsse man eben "ein bisschen angefressen sein." Joachim Lohmeier (47), der in der Werkstatt vor allem für BMW zuständig ist, lässt sich noch anfressen: "Anfangs war es für mich auch nicht nachvollziehbar, aber je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr packt es einen." Gepackt hat es schon einige, vom Bergarbeiter bis zum Fürsten, "viele Zahnärzte und Rechtsanwälte darunter, aber auch Handwerker", weiß Rolf Damen. Mindestens eine Frau zählte zu den eingefleischten Fahrern, eine Hamburgerin, der Friedel Münch ein Modell mit tiefer Sitzhöhe baute.
Die traditionsbewusste Szene kennt sich. Jahrestreffen des Münch-Clubs war immer an Himmelfahrt, zum Sommerfest lud der heute 82-jährige Münch bis zum vergangenen Jahr persönlich ins Münch- Museum nahe Frankfurt am Main ein. Zu den Treffen kann Rolf Damen, der Mann an der Quelle in Lüneburg, allerdings nicht stilecht fahren: "Meine alte Münch habe ich verkauft und die neue ist noch nicht fertig." Das dauert höchstens noch ein paar Jahre
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