von Gerd Mylius
Mit der elektronischen Führerscheinhprüfung hält die digitale Welt Einzug in die Fahrschulen. Gerd Mylius, TÜV Rheinland-Füherschein-Experte und Leiter der Technischen Prüfstelle des Landes Nordrhein-WestFalen gibt für Powerteacher Magazin einen Zwischenbericht ab.
In der Geschichte des Führerscheins ist am 1. April 2008 ein neues Zeitalter angebrochen: Das Land Berlin führte neben Brandenburg zu diesem Stichtag die theoretische Prüfung am PC als eines der ersten Bundesländer ein. Nur wenige Monate später, ab dem 1. Januar 2009, zogen Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland nach - in sämtlichen TÜV Rheinland-Prüfstellen gehörten somit die herkömmlichen Prüfungsbögen damit ins Altpapier.
Unsere Partner, die Fahrschulen, wurden im Vorfeld informiert und konnten sich unter anderem durch Übungs-CDs auf das neue Prüfverfahren vorbereiten. Peter Glowalla, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Berlin und 1. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, bringt es auf den Punkt: "Die Einführung ist sehr geräuschlos vonstatten gegangen und nach meinen Erfahrungen auch sehr störungsfrei."
Das neue Verfahren gilt für alle Klassen, gleich, ob Motorrad, Pkw, Lkw oder Bus. Die PC-Prüfung wird in Deutsch und weiteren elf Fremdsprachen angeboten
Niemand muss ein Computer-Fachmann sein, um mit dem System umgehen zu können. Wer mit einer Computer- Maus umgehen kann, bewältigt auch die Prüfung - vorausgesetzt, er hat vorher fleißig gebüffelt. Die Bewerber können sich auf die Prüfung vorbereiten, in dem sie sich beispielsweise auf der Internetseite des TÜV Rheinland unter www.tuv.com/fuehrerscheinpruefung mit dem Ablauf vertraut machen.
In diesem Jahr nahmen rund 300.257 Führerscheinbewerber an den Theorieprüfungen bei TÜV Rheinland teil.
Die Reihenfolge der Antworten bei den zu bearbeitenden Fragen bestimmt ein Zufallsgenerator. Schlichtes Auswendiglernen reicht nicht mehr aus. Der Prüfling muss sich bereits in der Vorbereitungsphase intensiver mit den Verkehrsregeln befassen als früher, sie wirklich verstehen und begreifen. Ein rein fotografisches Gedächtnis hilft da nicht weiter. Der Prüfling wird nacheinander jeweils nur mit einer Frage konfrontiert, was die Konzentration auf die einzelne Frage erhöht. Denn wichtigstes Ziel ist es, einen Beitrag zur Minderung des hohen Unfallrisikos von Fahranfängern zu leisten.
Ein weiterer Vorteil: Der Kandidat kann keine Fragen mehr übersehen, denn er wird vor der Abgabe an nicht beantwortete Aufgaben erinnert. Und: Nach Abschluss der Prüfung erhält der Bewerber sofort das Ergebnisprotokoll mit einer Auswertung nach Themengebieten. Das ermöglicht das gezielte Lernen für den Fall einer Wiederholungsprüfung. Noch schneller können wir kaum die Prüfungsergebnisse liefern. Weitere positive Aspekte: Der Fragenpool lässt sich im Falle von Gesetzesänderungen einfacher aktualisieren. Außerdem wird das Erschleichen der Prüfung durch den Einsatz unerlaubter Hilfsmittel wie Lösungsschablonen oder durch sonstige Täuschungsversuche erheblich erschwert.
Die Fahrschüler freuen sich, die Prüfung endlich am PC zu absolvieren. Emanuel Sasse aus Köln sagt: "Unsere Generation ist mit dem PC aufgewachsen. Daher war die Führerscheinprüfung am Computer längst überfällig." Cordula Langst aus Saarbrücken ergänzt. "Ich empfinde die Prüfung einfacher als auf Papierbögen, weil immer nur eine Frage auf dem Bildschirm steht, was die Konzentration erleichtert."
Kurzum: Die Einführung der theoretischen Führerscheinprüfung ist auf der ganzen Linie ein voller Erfolg - so sehen es die Fahrschulen, TÜV Rheinland sowie das Verkehrsministerium.