Fahrsicherheit im Alltag - Mit dem Herbst kommen die tückischen Bedinungen zurück
von Marco Eschenbach
Die kalten Tage stehen vor der Tür und damit für alle Auto- und Motorradfahrer wieder schlechte Sicht und gefährliche Straßenverhältnisse. Wer sich dabei ausschließlich auf sein Können und jahrelange Routine im Straßenverkehr verlässt, kann eines Tages leidvoll eines Besseren belehrt werden. Ein Fahrsicherheitstraining kann Abhilfe schaffen und trainiert den Lenker, wie er sich in Extremsituationen zu verhalten hat, um sich und seine Mitfahrer nicht nur bei widrigen Bedingungen sicher ans Ziel zu bringen.
"Die größten Gefahren im Straßenverkehr lauern, wenn schlechte Witterungsbedingungen auf ein falsch eingeschätztes Fahrkönnen beim Auto- oder Motorradlenker treffen!" sagt einer, der es wissen muss. Der Nürnberger Wolfgang Lieberth ist seit 1991 beim ADAC Nordbayern im Bereich Fahrsicherheit tätig und ist derzeit als verantwortlicher Leiter für die Koordinierung und Durchführung der fast täglich stattfindenden Übungsseminare in der ADAC-Trainingsanlage in Forchheim zuständig. Er kennt die Tücken der sich immer wieder gefährlich ändernden Fahrbedingungen auf den Straßen und weiß um die besonderen Anforderungen, um auch in Gefahrensituationen Ruhe und Nerven zu behalten: "Gerade die kommende herbstliche Jahreszeit mit ihren verregneten, vereisten Straßen und den schlechten Lichtverhältnissen fordert die Erfahrung und das Können eines jeden Verkehrsteilnehmers besonders heraus", warnt der 49-jährige ausgebildete Fahrlehrer. "Fahrsicherheit entsteht nur durch gute Fahrfähigkeiten, Erfahrung und regelmäßiges Training!"
Und genau diese Fähigkeiten versuchen die in großer Zahl angebotenen Fahrsicherheitstrainings der verschiedenen Automobilverbände den Teilnehmern zu vermitteln. Unter Anleitung professioneller Trainer "erfahren" die Teilnehmer ihre Möglichkeiten und Grenzen im eigenen Auto und lernen, die Fahrphysik des Fahrzeugs besser einzuschätzen und auszuschöpfen. Wie muss man bremsen, um einen Unfall zu vermeiden? Welche Rollen spielen dabei ABS, ASR oder ESP? Was tun, wenn man auf der Autobahn auf einen Stau trifft und der Bremsweg knapp wird?
In verschiedenen Modulen stellen die Übungsleiter dafür möglichst realitätsnahe Bedingungen nach. Vom Kurven- und Slalomfahren, über Brems- und Ausweichmanöver, bis hin zur Simulation glatter und schneebedeckter Fahrbahnzustände: Die Teilnehmer eines Fahrsicherheitstrainings finden an diesem Tag alle möglichen Gefahrensituationen wieder, die ihnen auch auf der eigenen Fahrt zum nächsten Supermarkt sich in den Weg stellen könnten.
"Der 'Aha-Effekt' bei den Meisten ist doch enorm hoch", erzählt Fahrsicherheitstrainer Lieberth aus seiner langjährigen Erfahrung. Besonders beim Thema "Erhöhte Geschwindigkeit" weichen die einst tauben Ohren weit aufgerissenen Augen: "Dass sich das Fahrverhalten eines Autos in Kurven oder bei Bremsbedarf auf nasser Fahrbahn mit nur 10 km/h mehr als vorgeschrieben beträchtlich negativ ändern kann, schockiert sehr viele bei meinen Schulungen". Und gerade dieses eigene "Erfahren" sei derart wichtig, eine Änderung des persönlichen Fahrverhaltens hervorzurufen. Man dürfe nicht dem fatalen Irrglauben verfallen, "nur weil man diese Situationen im Alltag noch nie erlebt hat", werde das einem ob der eigenen Erfahrung und dem Glauben in das scheinbare Fahrkönnen nie passieren. Genau diesem wirke ein Fahrsicherheitstraining gezielt entgegen und könne somit sogar Leben retten.
"Ich hoffe, dass noch mehr Fahranfänger, aber auch Routiniers den Weg zu unseren Sicherheitstrainings finden!" wünscht sich Wolfgang Lieberth, Verantwortlicher der Abteilung Fahrsicherheit vom ADAC Nordbayern.
Foto: ADAC
Auf dem Trainingsgelände wird aber nicht nur der Praxistest im Grenzbereich trainiert, auch für die vielen Detailfragen rund um das Thema Fahrsicherheit im Alltag wie beispielsweise "Wie stelle ich meinen Sitz richtig ein? Worauf ist bei der Reifenwahl zu achten? Was bedeutet miteinander, nicht gegeneinander zu fahren?" nehmen sich die Kursleiter im persönlichen Gespräch genügend Zeit.
Fahrsicherheitstrainings
Fahrsicherheitstrainings bieten bundesweit alle großen Automobilverbände an. Allein der ADAC schult in über 60 Trainingsanlagen seine Teilnehmer nicht nur in Basis- und Aufbaukursen für PKW- und Motorradlenker, sondern hat auch zielgruppenspezifisch aufgebaute Kurse beispielsweise für Frauen, junge Fahrer oder behinderte Menschen im Angebot. Fokus ist es, sich und das eigens mitgebrachte Gefährt zu Übungszwecken den simulierten Gefahrensituationen auszusetzen, trainiert wird aber auch überall mit Schulungsautos. Der Preis eines eintägigen Seminars beläuft sich auf 75 bis 150 Euro, je nach Standort und Mitgliedsstatus. Weitere Informationen finden Sie im Internet auf der Seite www.adac.de
Dass die auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnittenen Fahrausbildungen durchaus präventiven Sinn machen, zeigen wohl nicht zuletzt auch die neuesten Unfallstatistiken.
Nach der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist die Zahl der tödlichen Unfallopfer auf deutschen Straßen im Juli 2009 auf 363 Personen gesunken. Dies ist ein Rückgang um fast 18 Prozent gegenüber des Vorjahresmonats. Auch bei den Verletzten ist ein Rückgang um 0,9 Prozent auf 39.000 Personen zu verzeichnen. 2.315 Menschen kamen bei Straßenverkehrsunfällen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ums Leben. Das waren 325 Personen oder zwölf Prozent weniger als von Januar bis Juli 2008. Die Zahl der Verletzten in diesem Zeitraum hat um sechs Prozent auf rund 222.500 abgenommen.
Die schon lange anhaltende Forderung vieler Automobilverbände nach mehr Gefahrenprävention im Straßenverkehr trägt nun auch politisch erste Früchte: Deutschlands Zivildienstleistende müssen seit Anfang Oktober verpflichtend ein Sicherheitstraining absolvieren, wenn sie mehr als 50 Prozent ihrer Tätigkeit mit Fahrdiensten verbringen. "Bleibt nur zu wünschen, dass auch viele andere Fahrzeuglenker diesem Beispiel, und das freiwillig, in Zukunft folgen werden!" Es darf also gerne ein bisschen mehr sein mit der Eigeninitiative eines Jeden beim Thema Fahrsicherheit im Straßenverkehr, hofft nicht nur Wolfgang Lieberth vom ADAC.