Lohnenswerte Umrüstung auf Gasbetrieb
von Marco Eschenbach
Der ADAC greift seinen Mitgliedern, die auf Gasbetrieb umstellen möchten mittlerweile finanziell und technisch unter die Arme. Obwohl man beim Blick auf die aktuellen Benzinpreise ins Schwitzen kommen kann, ist mit einer großen Resonanz an Umbauwilligen aber wohl noch nicht zu rechnen. PowerTeacher gibt einen Einblick, inwieweit dieser Zukunftsgedanke Einzug auch in ihre Fahrschule halten könnte.
Für Dirk Schmidpeter steht in den kommenden Tagen eine wichtige Entscheidung an. Der Inhaber der Fahrschule "Gib Gas" in Wuppertal möchte seine Flotte um einen weiteren Pkw erweitern. Für ihn ist aber schon klar: "Es wird wieder ein gasbetriebenes Fahrzeug sein!" Nicht zufällig firmiert seine Fahrschule unter einem klaren Bekenntnis und zeigt damit Flagge für die umweltschonendere Variante des Kraftstoffantriebes: "Es wird immer wieder seitens der Politik gefordert, die Schadstoffemissionen und den Spritverbrauch zu senken. Wir tun es!"
Seitdem der 40-Jährige sein "Flaggschiff", ein Opel Astra, mit Flüssiggas antreibt, schonen er und seine Fahrschüler auf den jährlich rund 50.000 Kilometern auf Deutschlands Straßen die Umwelt und damit auch seinen Geldbeutel. Die Entscheidung für das Flüssiggas hat Schmidpeter im Oktober vergangenen Jahres nach einer genauen Abwägung verschiedener Gesichtspunkte gefällt.
Eindeutige Pluspunktes weist der Gasmotor in Sachen Umweltschutz und Lärm auf: Er produziert bis zu 95 Prozent weniger Schadstoffe als ein Benzin- oder Dieselmotor und rund 15 Prozent weniger Treibhausgase. Darüber hinaus verursachen Gasfahrzeuge wesentlich weniger Lärm als dieselmotorbetriebene Vehikel. Wenn man sich nicht für den Kauf eines fabrikneuen Gasautos entscheiden möchte, können auch alle Fahrzeuge mit Ottomotoren auf Gasbetrieb umgerüstet werden. Immer wieder gibt es Unklarheiten und Verwirrung, wenn von gasbetriebenen Kraftfahrzeugen die Rede ist.
Es existieren für den Fahrzeugantrieb zwei voneinander verschiedene und zueinander inkompatible Gastechnologien: Erdgas (CNG) und Autogas (LPG), welches mit Flüssiggas betrieben wird. Erdgas besitzt gegenüber dem Autogas mit der schlechteren Reichweite, einer Einschränkung des Kofferraumes, dem hohen Gasflaschengewicht und den erschwerten Tankmöglichkeiten einige größere Nachteile, ist aber noch einmal um 30 Prozent günstiger als das Autogas (60 Cent pro Liter), wobei die Kosten einer Erdgasumrüstung rund ein Drittel höher sind als für eine Autogasumstellung. Derzeit gibt es mehr als 5.000 Tankmöglichkeiten für Flüssiggas, Tendenz stark steigend, aber nur rund 850 Zapfsäulen für Erdgas in Deutschland. Ein Erdgasfahrzeug ergibt also nur Sinn, wenn man viel regional unterwegs ist und nach relativ kurzer Fahrtstrecke ohne Probleme schnell nachtanken kann.
Wissenswertes
1862 baute der Luxemburger Erfinder Étienne Lenoir das erste Gasmotorenfahrzeug, noch bevor es Benzin- und Dieselfahrzeuge gab. Seinen Angaben zufolge legte er die 9 Kilometer lange Strecke von Paris nach Joinville-le-Pont in etwa 3 Stunden zurück. Von seinem Gasmotor wurden über 400 Exemplare gebaut. In Deutschland kamen 1994 die ersten Serienfahrzeuge auf den Markt. Einige der ersten Hersteller waren BMW, Ford und Volvo. Weltweit existieren heute zirka 6 Millionen Erdgasfahrzeuge, davon allein in Argentinien, Brasilien und Pakistan zusammen rund 4,5 Millionen Stück.
Der Kostenfaktor spielt eine wichtige Rolle. Laut ADAC spart man mit einem gasbetriebenen Auto (Erdgas), verglichen mit dem Otto-Pendant, durchschnittlich 3,2 Cent pro Kilometer oder 480 Euro pro Jahr, wenn man jährlich 15.000 Kilometer herunterspult (Ersparnis Autogas: 2,8 Cent/Km, rund 420 Euro/Jahr). Damit kann das Umsteigen auf Gas für Transport- und Fahrunternehmen wie Fahrschulen von großer Bedeutung sein. Viele scheuen den Umstieg auf Gas aus Sorge um die Sicherheit im Falle eines Unfalls.
Ein Gasmotor verbrennt seinen Kraftstoff deutlich umweltfreundlicher als seine herkömmlichen
Pendants. Er produziert bis zu 95 Prozent weniger Schadstoffe als ein Benzin- oder Dieselmotor
und rund 15 Prozent weniger Treibhausgase.
Diesen Bedenken nimmt Schmidpeter den Wind aus den Segeln. Das Gas werde unter einem Druck von rund 10 bar vom Fahrzeugäußeren in die installierten Gasbehälter betankt. Diese werden üblicherweise als Stahlflaschen im Heck verstaut oder in der Reserveradmulde installiert. Alle verwendeten Bauteile sind auf einen Betriebsdruck von 40 bar ausgelegt und enthalten darüber hinaus noch eine Sicherheitsreserve von 250 bis 300 Prozent: "Damit wird ein größtmöglicher Sicherheitsstandard eingehalten. Somit ist sichergestellt, dass selbst bei schweren Unfällen kein Gas aus den Tanks ausströmen kann." Ist kein Gas mehr im Tank, schalten die meisten bivalenten Fahrzeuge automatisch auf Benzinbetrieb um.
Manch ein Kritiker argwöhnt, die Fahreigenschaften würden durch den Gasbetrieb eingeschränkt. Dem nimmt Schmidtpeter den Wind aus den Segeln: "Sie verhalten sich wie normale Benziner- Modelle", erklärt der Unternehmer. Für viele Unentschlossene stellen auch die Umbaukosten ein Hindernis dar. Bei einem Autogasauto liegen diese - inklusive Anlage, Zuleitung, Tank und TÜVAbnahme bei etwa 1.800 bis 2.600 Euro. Die Umrüstung auf Erdgasbetrieb ist mit 3.500 bis 5.000 Euro teurer, abhängig von Fahrzeug- und Anlagentyp. Der Beschluss der Bundesregierung, gasbetriebene Fahrzeuge bis mindestens 2018 weiterhin steuerlich zu begünstigen, leistet dem Weg der Gasautos ins deutsche Straßenbild aber weiterhin Vorschub. Rund 70.000 Erdgasautos und 50.000 autogasbetriebene Fahrzeuge sind bundesweit derzeit zugelassen. Viele Energieversorger fördern die Neuanschaffung eines Gasfahrzeuges oder eine Umrüstung mit Geldbeträgen oder Tankgutscheinen, was die Kosten auffangen kann.
Der Wuppertaler Fahrlehrer Dirk Schmidpeter hat sich indes schon entschieden. Seine Wahl für ein neues Fahrzeug in seiner Flotte von "Gib Gas" ist auf einen mit Flüssiggas betriebenen Opel Corsa gefallen. Sein Pioniergeist mit der Umrüstung auf die umweltschonende Antriebsenergie hat sich ausgezahlt, "ideell wie finanziell", wie er sagt. Er spare nicht nur einiges an Betriebskosten monatlich, sondern gewinne auch immer mehr Fahrschüler mit einem gesteigert ökologischen Bewusstsein hinzu: "Eine Entscheidung, die sich vollends gelohnt hat, nicht nur für den Geldbeutel."