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Rubrik Wissenschaft

Von Mimose bis Menthol

wie Düfte im Auto wirken

von Prof. Dr. Hanns Hatt Foto: Philip Morris Stiftung Die Autoindustrie ist um die Wohlgerüche ihrer Produkte bemüht. Als erster Hersteller baut Citroen seit dem Jahr 2004 serienmäßig einen eigenen Parfumspender in das Mittelklassemodell C4 ein. "So ein Auto hat doch gewisse Eigendüfte am Anfang, die nicht unbedingt jedem gefallen", erklärt Pressesprecher Immo Mikloweit. "Da zieht es manch ein Autofahrer vor, seinem Wagen eine persönlich ausgewählte Duftnote zu geben". Von Mimose bis Menthol, von Lavendel bis Lotus kann der Kunde hier zwischen 10 eigens kreiierten Parfumnoten wählen. Der Spender verteilt den Duft über das Lüftungssystem im Wagen, die Intensität kann individuell geregelt werden. Für empfindliche Nasen lässt sich das System selbstverständlich auch abstellen. Ansonsten werde bei Citroen nirgends mit Düften gearbeitet. Andere Hersteller halten nach eigenen Angaben gar nichts von künstlicher Frische im Innenraum. Zwar beschäftigen Audi und andere große Autobauer ganze Teams von Designern, darunter auch Supernasen, doch diese Experten beschäftigten sich ausschließlich mit der Auswahl und Kontrolle des Materials. Die Stoffe, Kunststoffe und Leder der diversen Zulieferer werden auf ihre Qualität getestet, schließlich sollen sie auch unter Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen nicht anfangen zu stinken.
Gerbstoffe und Lösungsmittel, Weichmacher oder UV-Absorber, Lacke, Kleb- und Schaumstoffe, sie alle bringen Eigendüfte mit, die zunächst analysiert und anschließend eliminiert werden müssen, ehe der Wagen vom Band rollt. Das Ziel der Bemühungen sei ein geruchsneutrales Auto, sagen die Hersteller. Dass ein bekannter Sportwagen-Hersteller längst Kunstleder- Sitze verwendet und den fehlenden Lederduft per Duftstreifen ins Auto holt, der unter den Fahrersitz geklebt und bei jeder Inspektion erneuert wird - wahrscheinlich alles Gerüchte. Im übrigen muss ein Duft auch zum Image passen, wobei sich Chrom und Hightech in den Augen der Hersteller nicht gut mit esoterischen Gerüchen verbinden. Immerhin zu Messe-Zeiten greift zumindest die Firma BMW auf die Künste der Duft-Designer zurück, um die müden Besucher der Internationalen Automobil-Aussstellung mit einem Eindruck von "Frische", "sauberer Luft" und "Efficient Dynamics" zu empfangen. Die Reaktionen in der Halle sollen sehr positiv gewesen sein.
"Achtung", warnt eine Studie des Royal Automobile Clubs in England, manche Düfte könnten beim Fahren gefährlich werden. Jasmin, Kamille oder Lavendel wird entspannender Einfluss auf hitzige Fahrer nachgesagt, sie können aber gleichzeitig auch einschläfernd wirken. Vorsicht auch beim Geruch von frischem Brot oder Gebäck: der Fahrer bekommt Hunger und drückt allzu sehr aufs Gas, um schnell zum Essen zu kommen. Frisches Gras und Blumen klingen harmlos, verleiten den Fahrer jedoch leicht zum Träumen. Ebenso After Shaves und Parfums, die gar im Stande sein sollen, die Gedanken auf erotische Abwege zu locken. Dann doch lieber Zitronen- und Kaffeeduft: Sie wirken konzentrationsfördernd. Pfefferminze ist auch immer gut, denn sie macht den Fahrer weniger reizbar. Oder frische Seeluft, die eine tiefe Atmung fördert und damit die Aufregung - und offenbar auch das Unfallrisiko - wegpustet.

Gekürzt aus: Hanns Hatt, Regine Dee: "Das Maiglöckchen.Phänomen."
(C) 2008 Piper Verlag GmbH, München

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